Neujahrsempfang der SPD
Lübeck - Beim gemeinsamen Neujahrsempfang
der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfrage
(Afa) in der Lübecker SPD und dem Kreisvorstand
und Bürgerschaftsfraktion geht es traditionell
hoch her. Auch am Sonntag bekamen Bundespolitiker
wie Roland Koch (CDU) ob seiner Forderung nach
einer Arbeitspflicht für Hartz IV-Empfänger
oder Lokalpolitiker wie Thomas Schalies (FDP),
der Wirtschaftsenator in Lübeck werden
will, ihr Fett weg. Peter Reinhardt bezeichnete
Koch als "populistischen Hetzer" und
Schalies als "Leichtmatrosen".
Doch im Gewerkschaftshaus stand ein ganz anderes
Thema im Mittelpunkt: Die Zukunft des Lübecker
Flughafens. Der Kreisvorsitzende Peter Thies
sprach sich dabei nicht gegen den Betrieb des
Airports aus, aber nicht um jeden Preis. "Wenn
das Land und die heimische Wirtschaft einen
Regionalflughafen haben will, dann sollen auch
beide finanziell einsteigen", forderte
Thies. Es könne nicht sein, dass die Stadt
Lübeck den Flughafen mit eigenen Mitteln
betreibt und deshalb andere Aufgaben nicht bewältigen
könne, weil das Geld fehle. Entsprechend
lautet auch Thies Prognose für das Jahr
2010: "1. Der Schnee wird schmelzen. 2.
Der Zustand der Lübecker Straßen
wird noch katastrophaler sein. 3. Die Stadt
Lübeck weiß nicht, wie sie die Straßensanierung
bezahlen soll."
Rückendeckung bekam Thies dabei auch von
Fraktions-Chef Peter Reinhardt. "Wir werden
weiter für den Flughafen kämpfen,
aber nur, wenn die Stadt nichts dazubezahlen
muss", sagte Reinhardt. Applaus gab es
auch für Festredner Ralf Stegner. Der Oppositionsführer
im Kieler Landtag warnte davor, dass sich die
SPD in persona Bürgermeister Bernd Saxe,
Peter Thies und Peter Reinhardt in der Flughafenfrage
auseinanderdividieren lasse. "Wir müssen
Geschlossenheit zeigen und den Ball dort hinlenken,
wohin er gehört - ins Wirtschaftsministerium",
erklärte Stegner, der dem Bürgerentscheid
um den Flughafen nicht mit Freude entgegensieht.
Es könne nicht angehen, dass die Stadt
den Flughafen finanzieren solle, damit die Leute
billig fliegen können und auf der anderen
Seite bei Sozialleistungen sparen muss. Stegner
schwor die rund 150 Gäste zudem mehr auf
alte, sozialdemokratische Werte ein. Die schmerzhaften
Wahlniederlagen in 2009 seien unter anderem
auf neoliberalen Ideen zurückzuführen.
"Dieser Virus ist zu stark in unsere eigene
Partei hineingekommen", sagte Stegner und
forderte mit den alten Werten Freiheit, Gerechtigkeit
und Solidarität, die Zukunft zu gestalten.
Der DGB-Vorsitzende Uwe Polkaehn warnte vor
zu großen Erwartungen an das Jahr 2010.
"Die Wirtschaftskrise wird uns noch einiges
abfordern", so Polkaehn. Laut Prognose
werden allein in Lübeck 2000 Arbeitsplätze
verlorengehen. "Die Gewerbeeinnahmen sinken
und die Sozialausgaben steigen. Die Kommunen
geraten so immer weiter unter Druck", mahnte
Polkaehn und forderte eine Marshall-Plan für
Kommunen zur Entschuldung und Sicherung der
kommunalen Einnahmen.
Quelle: [ http://www.ln-online.de/regional/2722060 ]